Der Pfälzerwald – viel mehr als nur Bäume

Nichts dominiert die Westpfälzer Landschaft so wie der Pfälzerwald. Das größte zusammenhängende Waldgebiet Deutschlands, das gemeinsam mit den französischen Nordvogesen als grenzüberschreitendes UNESCO-Biosphärenreservat unter besonderem Schutz steht, kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Davon zeugen zahlreiche Burgruinen und Rittersteine des Pfälzerwald-Vereins, die auf historisch bedeutsame Orte und Ereignisse hinweisen. Auch Brunnen oder von Menschenhand angelegte Gewässer wie Wooge und Triftbäche zeugen von der reichen Kulturgeschichte des Pfälzerwaldes.

Heute ist er eines der größten deutschen Schutzgebiete und Paradies für Flora und Fauna – in den vergangenen Jahren gelang es sogar, den ehemals heimischen Luchs wieder anzusiedeln. Er ist aber auch ein Sehnsuchtsort für viele von uns. Ob zum klettern oder fotografieren, ob zum Pilze sammeln oder Sterne gucken – jeder von uns nutzt den Pfälzerwald auf seine ganz persönliche Weise. Und schaut man sich hier genauer um, wird schnell klar: Pfälzerwald ist nicht gleich Pfälzerwald. Das Mittelgebirge, das sich auf deutscher Seite an die französischen Vogesen anschließt, hat verschiedene Gesichter.

Wasgau und Dahner Felsenland

Überquert man die französische Grenze, zeigt sich der nahtlose Übergang der Nordvogesen in den südlichen Pfälzerwald sowohl landschaftlich als auch namentlich: Die Landschaft wird Wasgau genannt und hat ihren sprachlichen Ursprung – ebenso wie die Vogesen – im keltischen Berg- und Waldgott Vosegus. Dies wurde später von den Römern für die Bezeichnung der Wälder übernommen. Durch das kleingliedrige Relief ist der Wasgau mit seinen reich bewaldeten Kegelbergen und Höhenrücken durch eine große Formenvielfalt geprägt. Charakteristisch ist der rote Buntsandstein: Er stammt aus einer Zeit, in der Wüstenklima herrschte und wurde von Wind und Wetter zu bizarren Felsformationen geformt.

Auf vielen Felsen wurden im Mittelalter mächtige Burgen errichtet – heute sind die meisten davon mystische Ruinen, die sich aus der Ferne kaum von den natürlich geformten Felsentürmen unterscheiden und doch eine ganz besondere Atmosphäre versprühen. Vor allem rund um die Stadt Dahn sind die Felsformationen allgegenwärtig – das Dahner Felsenland ist heute ein Kletter-Paradies und wurde als eine von sieben deutschen Premium-Wanderregionen ausgezeichnet.

Bei Fotografiebegeisterten steht die Region hoch im Kurs. Vor allem im Herbst lohnt sich ein Aufstieg auf die Felsen; nicht selten lugen die Hügelketten aus einem ausgedehnten Nebelmeer heraus. Richtung Osten wird die Landschaft zunehmend von Wiesentälern aufgelockert – hier locken zahlreiche Fotospots rund um Hauenstein, zum Beispiel der Rauhfels, der Rötzenfels, der Dickenbergturm (Sprinzelfels) oder die Geiersteine mit tollen Panoramen.

Ein beeindruckendes Panorama über den gesamten Pfälzerwald bietet der Luitpoldturm bei Merzalben. (Foto: Harald Kröher)

Der Altschlossfelsen bei Eppenbrunn ist die größte Felsformation der Pfalz. (Foto: Harald Kröher)

Mystische Burgruinen prägen den Pfälzerwald, hier die Wegelnburg bei Nothweiler an der Grenze zu Frankreich (Foto: Harald Kröher).

Gräfensteiner Land und Pfälzisches Holzland

Am südwestlichen Rand des Pfälzerwaldes liegt die Stadt Pirmasens, die während der Industrialisierung zur Schuhmetropole aufstieg. In einer der ehemaligen Schuhfabriken befindet sich heute das Mitmach-Technikmuseum Dynamikum Science Center. Das Waldgebiet nahe Pirmasens und Rodalben wird Gräfensteiner Land genannt. Besonders beliebte Ziele sind dort die namensgebende Burg Gräfenstein und der Luitpoldturm, der einen atemberaubenden 360-Grad-Blick über den Pfälzerwald und dessen Grenzen hinaus bietet.

Weiter nördlich, zwischen Moosalb und Schwarzbach, schließt sich das Pfälzische Holzland an, das durch die herausragende Qualität der Waldbestände zu seinem Namen kam. Die höchsten Preise erzielen die oftmals mehrere hundert Jahre alten Traubeneichen, die sogar die Zeiten des größten Raubbaus durch Waldweide, Köhlerei und Bergbau überstanden haben. Ihr Holz wird oft für Weinfässer verwendet, die es nicht selten bis nach Bordeaux schaffen, um dort die edelsten Tropfen in sich reifen zu lassen.

Historisch bedeutsam ist auch der Wallfahrtsort Maria Rosenberg in Waldfischbach-Burgalben. Bereits die Kelten sollen die dortige Quelle (Gnadenbrunnen) dem Gewittergott geweiht haben, bevor im Jahr 1150 die erste christliche Kapelle errichtet wurde.

Frankenweide

Der zentrale Teil des Pfälzerwaldes wird Frankenweide genannt. Wie der Begriff vermuten lässt, entstand der Name bereits zu fränkischer Zeit im 6. Jahrhundert – auch, wenn das Gebiet damals noch weitgehend unbesiedelt war und lediglich als Viehweide genutzt wurde. Hierbei handelt es sich um eine Hochplateau-Landschaft, die von tief eingeschnittenen Tälern begrenzt wird. So zum Beispiel das wildromantische Karlstal bei Trippstadt, eines der schönsten Täler im Pfälzerwald, in welchem die Anfänge der Eisenindustrie entlang der Moosalb in den vergangenen Jahrhunderten spannende Spuren hinterlassen haben.

Auch der geschichtsträchtige Ort Johanniskreuz liegt nicht weit von hier: Gegenüber der Stelle, an der sich früher zwei Rittersleute aus der Region über den Wegezoll stritten und durch das Aufstellen steinerner Kreuze ihren Anspruch untermauerten, steht heute das Haus der Nachhaltigkeit, ein Informations- und Erlebniszentrum rund um die Themen Wald, Umwelt und Natur. Zugleich befindet sich hier die Pfälzische Hauptwasserscheide: Die östlich gelegenen Quellen fließen dem Rhein zu, während die westlich gelegenen Quellen der Mosel zufließen. Verlässt man die Westpfalz von hier aus in östlicher Richtung, gelangt man ins Elmsteiner Tal, das vor allem als Ziel der historischen Ausflugs-Eisenbahn Kuckucksbähnel bekannt ist.

Im Nordwesten wird der Pfälzerwald schließlich begrenzt durch die Kaiserslauterer Senke und den Landstuhler Bruch. Kaiserslautern, bekannt durch Kaiser Friedrich Barbarossa und die Roten Teufel vom Betzenberg, ist die einzige Großstadt, die teilweise innerhalb des Biosphärenreservats Pfälzerwald liegt. Als Silicon Wood hat Kaiserslautern sich in jüngster Zeit einen Namen als renommierter Standort rund um IT-Technologie gemacht.

Die Burgruine Gräfenstein stammt aus dem 12. Jahrhundert, ist gut erhalten und gilt als eine der bedeutendsten stauferzeitlichen Burganlagen in Rheinland-Pfalz. (Foto: Harald Kröher)

Die vom berühmten Landschaftsarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell gestaltete Karlstalschlucht bei Trippstadt gilt als eines der schönsten Täler im Pfälzerwald. (Foto: Anna Wojtas)

Am nordwestlichen Rand des Pfälzerwaldes liegt die Universitätsstadt Kaiserslautern. (Foto: Andreas Gläser)

Diemersteiner Wald und Stumpfwald

Weiter östlich – zwischen Hochspeyer, Enkenbach-Alsenborn, Carlsberg und Frankenstein – setzt sich der Pfälzerwald nach Norden fort, dieses Gebiet wird Diemersteiner Wald genannt. Der Name rührt daher, dass die Herren der Burg Diemerstein einst auch Besitzer dieses Waldes waren. Unterhalb der im Jahr 1216 erstmals erwähnten Burg steht außerdem die Villa Denis, benannt nach dem Eisenbahnpionier Paul Camille von Denis. Als Stiftungshaus der Technischen Universität Kaiserslautern ist sie das Ziel der alljährlichen Uni-Villa-Wanderung und lockt durch ein angebautes Café regelmäßig Besucher an.

Noch weiter nördlich schließt sich der Stumpfwald an, dessen Ausläufer vom Donnersberg, dem höchsten Berg der Pfalz, gut sichtbar sind. Bekannt ist der Stumpfwald vor allem für den Stausee Eiswoog bei Ramsen und die historische Stumpfwaldbahn mit mehreren Viadukten. Das Stumpfwaldgericht, ein altdeutscher Versammlungs- und Gerichtsplatz, ist noch gut erhalten. Seit dem Mittelalter wurden hier leichte bis schwere Vergehen und sogar todeswürdige Verbrechen gerichtet. Die sagenumwobene Stumpfwaldhöhle wiederum soll einen regional bekannten Missetäter beherbergt haben.

Jenseits der Westpfalz: Haardt und Weinstraße

Ein bekanntes Teilgebirge des Pfälzerwaldes, wenn auch nicht in der Westpfalz gelegen, ist die Haardt. Dort befinden sich die höchsten Gipfel des Pfälzerwaldes, bevor die Landschaft nach Osten hin steil abfällt und in die Oberrheinische Tiefebeene übergeht. An dieser Grenze liegt mit der wohlbekannten Deutsche Weinstraße ein für viele Westpfälzer beliebtes Ausflugsziel, wenn mediterranes Flair oder schlicht und einfach ein wenig Abwechslung gefragt ist.

Apropos Abwechslung: Wem die schier unerschöpfliche Vielfalt des Waldes, die schroffen Felsen und sagenumwobenen Burgen noch nicht genügen, der findet in der Westpfalz weitere spannende Kulturlandschaften – von den sanften Hügeln des Nordpfälzer Berglandes bis zur Weinbaulandschaft des Zellertals. Langeweile kommt in der Westpfalz ganz sicher nicht auf…

Hübsch gelegen im Diemersteiner Tal: Villa Denis und Burgruine Diemerstein. (Foto: Harald Kröher)

Unmittelbar nördlich des Eiswoogs überspannt das 35 Meter hohe Eistal-Viadukt das Eisbachtal. (Foto: Anna Wojtas)

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