Von visionären Ideen und ihren Erfindern | Teil 1

Mit der gemeinsamen Netzwerkmarke IDEENWALD des Gründungsbüros von TU und Hochschule Kaiserslautern werden angehende Unternehmer und Startups von morgen bei ihrem Schritt in die Selbstständigkeit unterstützt. Wie genau dies aussehen kann und welche innovativen Ideen von den Jungunternehmern realisiert werden, kann künftig auf dem Blog IDEENblatt verfolgt werden. Für ein Portrait ihres Startups haben die Gründer aus dem Nähkästchen geplaudert und Wissenswertes zu ihrer Gründungsgeschichte, zu Erfolgsgeheimnissen und Zukunftsplänen offengelegt.

Keimzelle vieler Startups aus der Westpfalz: Der IT-Standort Kaiserslautern, der mit seinem waldnahen Uni-Campus und angegliederten Instituten auch als „Silicon Wood“ – in Anlehnung an das kalifornische Silicon Valley – bezeichnet wird.

 

LUBIS EDA: Computerchips der Zukunft

Wie sollte der Computerchip der Zukunft entwickelt werden? Dieser Frage hat sich das vierköpfige Team von LUBIS EDA angenommen und eine Software geschaffen, mit welcher die Entwicklungszeit der Chips wesentlich verkürzt werden kann. In der Computerbranche spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle: Wer als schnellster Hersteller das eigene Produkt auf dem Markt anbietet, kann den größten Profit abschöpfen. Mit LUBIS Concilium, LUBIS Primis und LUBIS Veritas haben die Gründer drei Produkte geschaffen, welche Chip-Modelle analysieren, detaillierte Modelle aus den Analyseergebnissen generieren und automatisierte Testszenarien für das neue Chipdesign erstellen.

Die Idee zur Gründung hatten Tobias Ludwig und Michael Schwarz im Jahr 2018 während ihrer gemeinsamen Zeit als Doktoranden am Lehrstuhl für Entwicklung Informationstechnischer Systeme (EIT) der Technischen Universität Kaiserslautern. Komplettiert wird das Team von LUBIS EDA durch Dr. Max Birtel und Tim Burr. Den Grundstein für die Geschäftsidee legte eine theoretische Studie zur Thematik durch den Doktoranden Joakim Urdahl, den Ludwig während seiner Promotion am EIT kennenlernte. Auch bei der Gründung selbst wurde das Team vom Lehrstuhl um Professor Wolfgang Kunz unterstützt: Ludwig und Schwarz konnten die eigene Promotion auf ihr Projekt ausrichten, Masterarbeiten zur Evaluierung betreuen und erhielten durch Veröffentlichungen Feedback zu ihren Prototypen. Weitere Unterstützung boten das Gründungsbüro von Universität und Hochschule Kaiserslautern, das Business + Innovation Center Kaiserslautern und die Förderung EXIST-Forschungstransfer des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Zukünftig plant das Startup nicht nur die Ausgliederung als GmbH aus der TU Kaiserslautern, sondern auch den Abschluss eines ersten Pilotprojekts zur praktischen Erprobung der Softwares in der Industrie. Nach der Testphase sollen laut Ludwig und seinem Team dann auch zeitnah erste Kunden folgen. Der Fokus der Gründer liegt dabei auf einem gemeinsamen Arbeiten im Team und darauf, einen ganzheitlichen Prozess und sich selbst stetig weiterzuentwickeln.

Wollen die Computerchip-Industrie revolutionieren: LUBIS EDA

 

viamon: Photovoltaik sicher gestalten

Eine Innovation im Bereich der Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) hat Gründer Oliver Strecke mit dem Startup viamon geschaffen. Als derzeit einziger Wettbewerber schaffen es der gelernte Schlosser und seine Mitarbeiter:innen, einen sorglosen Komplettschutz für PV-Anlagen anzubieten. Dazu hat das Team mit dem sogenannten TRAPS-System – kurz für Theft, Recon, Access und Protection System – das passende Instrument entwickelt. Das System schützt nicht nur die materiellen Elemente der Anlagen, sondern hilft potenzielle Täter abzuschrecken. Darüber hinaus unterstützt das System bei der Aufdeckung und Aufklärung des Diebstahlversuchs und der Verfolgung des Täters.

Strecke selbst hat nach seiner Ausbildung zum Schlosser und dem Studium zum Wirtschaftsingenieur bereits im Jahr 2004 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Erst gründete er das Ingenieurbüro Browsertec, bevor während eines Gesprächs über fehlende Möglichkeiten zum Schutz von PV-Anlagen zufällig die Idee für die heutige viamon GmbH entstand. Mit der Unterstützung seiner Frau und Co-Gründerin Christina Strecke begann die Entwicklung des eigenen Sicherheitssystems. Während der ersten Jahre berichtete Strecker von einer Vielzahl an Ideen, Messebesuchen sowie der Suche nach einer geeigneten Finanzierung und der Ausarbeitung von Businessplänen. Dass sich der Aufwand gelohnt hat, zeigt heute der Erfolg des Unternehmens: Mittlerweile gehört ein zwanzigköpfiges Team zur viamon GmbH, die Solaranlagen im Wert von 1,5 Milliarden Euro versichert.

Streckes erklärtes Ziel für die kommenden Jahre: die Marktführung erlangen und den Umzug in ein eigenes Bürogebäude stemmen. Dass sich bei viamon in Zukunft noch einiges ändern wird, ist sich der Unternehmer bereits sicher – er selbst sieht sich eher als Gründer anstatt als Geschäftsführer und möchte früher oder später aus der Firma aussteigen, um ein neues Startup aufzubauen.

Das Startup viamon sorgt im Bereich Photovoltaik für Sicherheit. (Foto: viamon GmbH)

insight.out: Digitale Diagnostik

Mit der digitalen eHealth-Plattform „test.box“ möchte ein weiteres Startup der Region Erleichterungen in der Medizin- und Gesundheitsbranche schaffen. Dazu hat das Team von insight.out bislang in Papierformat durchgeführte psychologische Testverfahren digitalisiert. Damit sparen Mediziner und Therapeuten nicht nur Zeit ein und können diese für die eigentliche Behandlung des Patienten aufwenden, sondern können auch jederzeit auf die Testdaten ihrer Patienten zugreifen. Die Plattform übernimmt nicht nur die automatische Auswertung der Tests, sondern bereitet deren Ergebnisse zugleich übersichtlich und umfassend auf. Dadurch konnten die Gründer nicht nur Testungen über Distanzen hinweg, sondern auch ohne den Abschluss von Abonnements oder den Kauf spezieller Lizenzen ermöglichen.

Die Idee zur Gründung tauchte erstmals während der Promotion von Franca Rupprecht an der Technischen Universität Kaiserslautern auf und wurde später zusammen mit Andreas Schneider geschärft und weiterentwickelt. Das Gründerteam wird durch den Diplom-Psychologen Jan Spilski und den Informatiker Matthias Streuber vervollständigt. Unterstützt wurde das heute zehnköpfige Startup vom Gründungsbüro der Universität und Hochschule Kaiserslautern sowie dem Business + Innovation Center Kaiserslautern. Diese rieten den Gründern zu einer Bewerbung für das EXIST-Gründerstipendium, welches die Jungunternehmer auch erhielten.

Mit insight.out möchte das Team um Rupprecht und Schneider die bestmögliche und zugleich bezahlbare Diagnostik in alle Gesundheitsbereiche hineintragen. Die Vision der Gründer sieht dabei eine ganzheitliche All-in-one-Lösung vor, die beim Patienten ansetzt (dieser soll verstehen was mit seinen Daten geschieht) und beim Spezialisten endet. Zukünftig soll die Plattform auch komplexere Testverfahren auswerten können und der Leistungsbereich des Startups neben der Diagnostik auf die Intervention und Prävention ausgeweitet werden.

Psychodiagnostik von morgen: die Mitarbeitenden von insight.out (Foto: insight.out GmbH)

Hier findest du einen Beitrag aus der SWR-Landesschau und ein Interview des Youtube-Kanals startucation mit insight.out:

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