Das Nordpfälzer Bergland – die Spitzen der Westpfalz

Keine andere Landschaft der Westpfalz ist so abwechslungsreich und vielfältig wie das Nordpfälzer Bergland. Dies zeigt sich nicht nur in den stark schwankenden Geländehöhen zwischen 200 und 600 Metern, sondern vielmehr in der Vielzahl an Möglichkeiten diese besondere Landschaft zu erkunden. Egal ob Naturliebhabende, Sportskanonen, Kulturfans oder Ruhesuchende – das Nordpfälzer Bergland hält für alle das passende Erlebnis bereit. Von der Geschichte dieser beeindruckenden Landschaft und ihrer Bevölkerung zeugen auch heute noch Burgen oder Relikte aus früheren Zeiten, die in einer beträchtlichen Zahl an Museen betrachtet werden können. Lebhafter geht es in den zum Teil versteckt gelegenen Dörfern und Städten zu, wo die Einheimischen die ein oder andere Anekdote zu ihrer Heimat zu erzählen haben.

Als Teil des Saar-Nahe-Berglandes ist das Nordpfälzer Bergland in den Landkreisen Kusel, Kaiserslautern und dem Donnersbergkreis aber nicht nur für seine teils markanten Bergkuppen bekannt. Auch Seen und Flüsse, die bekanntesten davon Alsenz, Glan und Lauter, prägen das Panorama der Landschaft. Nicht verwunderlich ist demnach, dass sich das Nordpfälzer Bergland zu einem beliebten Ziel vor allem für Wander- und Radfahrtouristen entwickelt hat. Dabei bleibt die Landschaft vor allem eins: facettenreich.

Das Donnersberger Land

Nördlich des Pfälzerwaldes, an das rheinhessische Hügelland angrenzend erstreckt sich das Donnersberger Land. Namensgebend und gleichzeitig Erkennungsmerkmal des Gebiets ist der Donnersberg, welcher mit einer Höhe von 686 Metern zugleich den Titel der höchsten Erhebung der Pfalz trägt. Er ist vulkanischen Ursprungs und enstand vor rund 285 Millionen Jahren, als eine Magmablase den Boden anhob. Den Gipfel des Berges markiert der im Jahr 1864 errichtete Ludwigsturm. Dieser gilt nicht nur als höchst gelegenstes Gebäude der Pfalz, sondern ermöglicht seinen Besuchenden bei klarer Sicht fantastische Weit- und Rundumblicke bis hin zur Frankfurter Skyline. Mit dem Adlerbogen befindet sich ein weiteres Erkennungszeichen und beliebtes Fotomotiv an der Ostflanke des Berges auf dem Moltkefelsen. Ein Blick durch den 12,5 Meter langen Bogen hindurch wird durch das sich bietende Panorama belohnt.

Nicht erst heute werden die Schönheit und Lage des Donnersberges wertgeschätzt. Bereits die Kelten siedelten sich auf seinem Plateau an und erbauten hier eine keltische Großstadt – ein sogenanntes Oppidum. Von den Bauwerken der Kelten ist bis heute nur noch ein knapp neun Kilometer langer Ringwall übriggeblieben, der an die Zeit der keltischen Besiedlung erinnert. Zudem besteht seit dem Jahr 2014 ein keltischer Skulpturenweg, welcher den keltischen Ringwall mit dem Keltendorf Steinbach verbindet. Auf einer Länge von rund acht Kilometern können 13 Skulpturen besucht werden, die auf das Leben und Wirken der Kelten hinweisen. Von vergangenen Zeiten zeugen daneben mehrere Burgruinen am Rande des Donnersberges, wie die Burgruine Falkenstein. Die Burg bietet nicht nur einen schönen Ausblick über den Pfälzerwald und die umliegenden Gemeinden, sondern eignet sich zudem als hervorragender Fotospot.

Am Fuße des Donnersbergs warten die beiden Städte Kirchheimbolanden und Rockenhausen darauf besucht zu werden. Kirchheimbolanden, die östlich des Massivs gelegene Stadt besticht besonders durch ein von Türmen und der Stadtmauer geprägtes Stadtbild. Daneben kann das Schloss bestaunt werden, das heute als Seniorenresidenz dient. Der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Schlossgarten ist nicht nur Gartendenkmal, sondern lädt nach anstrengenden Erkundungstouren zum Erholen ein. Auch der Schlosspark sowie die Altstadt von Rockenhausen sind einen Besuch wert. Kulturbegeisterte sollten zudem eines der städtischen Museen besichtigen, wie das Nordpfälzer Heimatmuseum. Im Sommer empfiehlt sich zudem eine Abkühlung im Naturerlebnisbad. Ein weiteres Tourenziel am Fuße des Donnersberges ist die Bergbau-Erlebniswelt im ehemaligen Bergmannsdorf Imsbach. Egal ob klein oder groß, eine Führung durch eines der beiden Besucherbergwerke oder das Pfälzische Bergbaumuseum nimmt alle mit auf eine Zeitreise durch die Erdgeschichte.

Einen traumhaften Ausblick über das Donnersberger Land bietet die Burg Falkenstein. (Foto: Harald Kröher).

Der Donnersberg – der höchste Berg der Pfalz. (Foto: Bernd Barth)

 

Besonders zur „blauen Stunde“ versprüht die Altstadt von Kirchheimbolanden eine malerische Atmosphäre. (Foto: Adolf Beck).

Die Alte Welt

Westlich an das Donnersberger Land schließt sich die sogenannte „Alte Welt“ an. Bezeichnet wird die Region zwischen den Flusstälern von Alsenz, Glan und Lauter. Woher der Name genau stammt ist unklar – vermutlich ist der Begriff auf den Bau der Eisenbahn entlang der Flussläufe zurückzuführen. Während die von der Bahnlinie durchzogenen Gebiete Anschluss in eine neue Welt erhielten, blieb das Gebiet ohne Bahnanbindung in der Alten Welt zurück. Im Volksmund ist auch der Name „bucklige Welt“ geläufig, der sich auf das landschaftliche Wechselspiel von Hügeln und Tälern bezieht.

Selbst Jahrzehnte nach dem Bau der ersten Eisenbahnen spielen die ehemaligen Bahntrassen auch heute noch eine wichtige Rolle, allerdings in touristischer Hinsicht. So führt der Glan-Blies-Radweg von Sarreguemines in Frankreich entlang der beiden Flüsse Glan und Blies mitten durch die alte Welt hindurch bis nach Staudernheim im Nachbarlandkreis Bad Kreuznach. Die Route verläuft auf einer Strecke von rund 130 Kilometern über die Trassen der stillgelegten Glantal- und Bliestalbahn, auf welcher sich sehenswerte Landschaften und Orte sowie spannende Kulturdenkmäler erleben lassen.

Das Glantal kann zudem noch auf besonderem Weg entdeckt werden – per Draisine. Mithilfe von Muskelkraft können die Draisinen über Pedale angetrieben und die idyllische 40 Kilometer lange Strecke zwischen Altenglan und Staudernheim (halbe Tour bis Lauterecken rund 20 Kilometer) absolviert werden. An einem der insgesamt 28 Haltepunkte kann entweder gerastet oder aber ein Ausflug in die nähere Umgebung unternommen werden. Daneben kann die Landschaft des Nordpfälzer Berglandes auch gut zu Fuß über den Veldenz Wanderweg, den Remigius Wanderweg oder den Pfälzer Höhenweg erkundet werden.

Neben der Natur hält die alte Welt noch zahlreiche andere sehenswerte Ecken bereit, wie das Kalkbergwerk in Wolfstein oder das Veldenzschloss in Lauterecken. Auch die historischen Altstädte von Meisenheim oder von Kusel, als Mittelpunkt des Musikantenlandes, sind einen Ausflug wert. Geprägt ist das Gebiet nicht nur namentlich, sondern auch kulturell durch das Wandermusikantentum, das bis zum zweiten Weltkrieg quer durch das Land zog, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Ein malerisches Bild ergibt sich bei einem Besuch der größten Burganlage der Pfalz, Burg Lichtenberg (samt Burggarten und Pfälzer Musikantenland-Museum), oder der Wasserburg Reipoltskirchen am Odenbach.

Auf dem markanten Potzberg ist der gleichnamige Wildpark und Greifvogelzoo ein beliebtes Ausflugsziel. Gleich nebenan steht der Potzbergturm, der eine tolle Aussicht über die gesamte Westpfalz bietet.

Wo Glan und Lauter zusammenfließen: Die Lauterbrücke im hübschen Stadtkern von Lauterecken. (Foto: Lukas Weitz)

Während die Burg Lichtenberg mit dem Titel „größte Burganlage der Pfalz“ punktet, lockt die idyllisch gelegene Wasserburg Reipoltskirchen als am besten erhaltene Tiefburg der Region. (Fotos: Michael Rübel, Ralf Keller)

Der im Landkreis Kusel gelegene Potzberg dominiert den westlichen Teil des Pfälzer Berglandes und beheimatet den Potzbergturm sowie einen Wildpark und Greifvogelzoo. (Foto: Michael Rübel)

Die Preußischen Berge

Weiter westlich im Landkreis Kusel verlief einst die preußisch-bayerische Grenze, weshalb das Gebiet westlich von Kusel die Preußischen Berge genannt wird. Entlang dieser Grenze führt heute der knapp 26 Kilometer lange Rundwanderweg Preußensteig um die beiden Gemeinden Thallichtenberg und Pfeffelbach. Die Strecke verläuft auf teilweise schmalen Pfaden quer durch das Holzbachtal sowie bergiges Gelände mit durchschnittlich über 550 Metern Höhe. Aufmerksame Wandernde finden auf der Route einige Grenzsteine vor, die die Initialen KP und KB für die ehemaligen beiden Königreiche tragen und den Weg markieren.

Neben den Grenzsteinen erinnert auch das alte Zollhaus in Ruthweiler an das geteilte Land von damals. Als Highlights des Weges treten zum einen die Burg Lichtenberg und zum anderen der Herzerberg mitsamt Drachenabflugrampe hervor. Letzterer ist mit 585 Metern Höhe der höchste Berg im Landkreis Kusel und bietet einen herrlichen Fernblick bis hin zum Donnersberg, welcher gut bei einem Picknick genossen werden kann. Daneben ist der Herzerberg Startpunkt für Drachenflieger, die sich über die Abflugrampe in die Lüfte stürzen und dabei nicht selten von den Wandernden beobachtet werden.

Alte Grenzsteine wie dieser markieren in den Preußischen Bergen heute noch die einstige Grenze zwischen den Königreichen Preußen und Bayern. (Foto: Freak-Line-Community, Wikimedia Commons)

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