Zweibrücker Westrich und Sickinger Höhe
– zwischen Muschelkalk und Buntsandstein

Welch spannende Landschaften die Westpfalz zu bieten hat, das beweist einmal mehr der Zweibrücker Westrich. Als Teil des Pfälzisch-Saarländischen Muschelkalkgebirges erstreckt sich der Zweibrücker Westrich über Teile der beiden Landkreise Kaiserslautern und Südwestpfalz sowie die Städte Zweibrücken und Pirmasens bis zur französische Grenze im Süden. Im Osten grenzt die Landschaft, die auch Westricher oder Südwestpfälzische Hochfläche genannt wird, an den Pfälzerwald und im Westen an den Bliesgau. Was das Spektrum an landschaftlichen Erscheinungsformen angeht, ist die Hochfläche eindeutig eine Besonderheit: Hier wechseln sich tief eingeschnittene Flusstäler und steile, bewaldete Hänge mit meist ackerbaulich genutzten oder besiedelten Hochflächen ab. Dass dieses einzigartige Wechselspiel überhaupt zustande kommt, liegt am Aufeinandertreffen von Muschelkalkböden auf den Buntsandstein.

Der Zweibrücker Westrich ist nicht nur Heimat von rund 140.000 Westpfälzerinnen und Westpfälzern, sondern auch einer großen Vielzahl an Pflanzenarten. In der Gegend rund um Zweibrücken etwa können aufmerksame Beobachtende rund die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Orchideenarten entdecken. Doch in diesem Landschaftsraum gibt es noch weitaus mehr zu entdecken als die malerische Natur – auch die dörflichen Siedlungen haben ihren ganz eigenen Charme, den es zu erkunden gilt. Dynamischer geht es wiederum in den beiden kreisfreien Städten Zweibrücken und Pirmasens zu, die als Ausflugsziel nicht unbesucht bleiben sollten.  Neugierig geworden? Dann nehmen wir dich mit auf eine Reise mitten durch diesen kontrastreichen Landschaftsraum.

Die Sickinger Stufe

Im Norden des Zweibrücker Westrich, wo die Hochfläche auf die Kaiserslauterer Senke trifft, hat sich eine markant abgebrochene Stufe gebildet. Die Sickinger Stufe erstreckt sich von Bann bis Schwarzenacker im Saarland und fällt in zwei Treppenabsätzen rund 200 Meter zum Landstuhler Bruch hin ab. Entlang der Abbruchkante zeigen sich mehrere kleine bis mittelgroße Felsformationen, wie die Heidenfelsen bei Landstuhl oder die Felsenlandschaft im Fleischackerloch. Die Sickinger Stufe ist überwiegend bewaldet und beheimatet als flächenmäßig kleinste der Teillandschaften auf westpfälzischem Gebiet nur die beiden Gemeinden Lambsborn und Bechhofen.

Doch das bedeutet nicht, dass es hier nichts Sehenswertes zu bestaunen gibt: Der Westwallbunker und die als Höckerlinie bezeichnete ehemalige Panzersperre bei Lambsborn sind auch heute noch Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs. Sie waren Teil des einst 630 Kilometer langen Westwalls, der heute zum größten Teil gesprengt oder zugeschüttet wurde. Auf dem Sagenhaften Waldpfad wandert es sich auf einer Strecke von 17 Kilometern an Lambsborn vorbei mitten durch die Elendsklamm und in die Kaiserslauterer Senke hinein. Auch das beschauliche Örtchen Bechhofen ist bei Wandernden bekannt – die Nordroute der Pfälzer Jakobswege wie auch der pfälzisch-saarländische Herzog-Karl-II-August-Pfad ziehen sich durch das Gemeindegebiet. Müde Füße finden in der gemeindeeigenen Kneippanlage eine Abkühlung.

Die Westpfalz ist mit den Heidenfelsen Heimat des am besten erhaltenen römischen Quellheiligtums Mitteleuropas. (Foto: Harald Kröher)

 

Die Sickinger Höhe

Südlich an die Sickinger Stufe grenzt die Sickinger Höhe, früher auch Landstuhler Höhe genannt. Der Name erinnert an die ehemalige Zugehörigkeit des Gebiets zur Herrschaft Landstuhls unter den Herren von Sickingen. Innerhalb der Sickinger Höhe haben sich die Bachläufe der Wallhalb, des Auerbachs und des Schwarzbachs tief in den Buntsandstein eingeschnitten und sorgen für das typische landschaftliche Wechselspiel zwischen Berg und Tal. Entlang der Flussläufe haben sich in vergangenen Zeiten etliche Mühlen angesiedelt, die heute durch den Mühlenweg im Wallhalbtal verbunden sind. Der Wanderweg führt an insgesamt 13 Mühlen vorbei: Darunter die zum Landhotel umgebaute Weihermühle, die Waldgaststätte Kneispermühle, die Knoppermühle und auch die Rosselmühle. Bei den jährlich stattfindenden Mühlenerlebnistagen öffnen die Mühlen im Wallhalbtal für schaulustige Besuchende ihre Pforten und bieten Mühlenkultur zum Anfassen.

Längs des Weges lässt sich aber noch einiges mehr bewundern, wie die Verena-Kapelle in Mittelbrunn, die sich nicht nur bei Fotografen als beliebter Fotospot herauskristallisiert hat. Weiter südlich befindet sich das erste Rosendorf Deutschlands. In der idyllischen Gemeinde Schmitshausen steht nicht nur der Rosengarten mit seinen mehr als 700 Rosenstöcken, sondern gleich das gesamte Ortsbild im Zeichen der königlichen Blume. Von dem sechs Meter hohen Aussichtsturm im Süden der Gemeinde aus lässt sich die Sickinger Höhe bei schönem Wetter weit überblicken. In der Dorfmitte von Schmitshausen startet zudem der 30 Kilometer lange Meteoritenweg in Richtung Fasanerie Zweibrücken. Namensgebend für den Wanderweg ist der Krähenberg-Meteorit, der im Jahr 1869 im Landkreis Südwestpfalz auf die Erde traf.

Wie aus dem Bilderbuch: die Rosselmühle bei Thaleischweiler-Fröschen. (Foto: Torben Fruth)

Fantastische Weitsicht auf der Sickinger Höhe bei Knopp-Labach. (Foto: Torben Fruth)

Eine ganz besondere Attraktion findet sich außerdem in der kleinen Gemeinde Maßweiler bei Thaleischweiler-Fröschen: Die TIERART Wildtierstation auf einem ehemaligen US-Militärgelände dient seit 2001 nicht nur als Auffangstation für zahlreiche heimische Wildtiere. Auf 14 Hektar bietet sie auch Großkatzen wie Tigern oder Pumas, die unter mangelhaften Bedingungen in Zoos, Zirkussen oder in privater Gefangenschaft gehalten wurden, ein artgerechtes Zuhause.

Einem leider sehr aktuellen Thema widmet sich auch eine Ausstellung, die einem ehemaligen Bunker des Westwalls untergebracht ist. Unter dem Titel „The Cave – Tiere im Krieg“ erzählt die Ausstellung, wie Tiere seit Jahrtausenden unfreiwillig im Krieg zum Einsatz kamen und wie sie unter den Auseinandersetzungen der Menschen litten. Sie zeigt aber auch Geschichten von Helden und Freunden – zum Beispiel von Tieren, die im Krieg Menschenleben retten. 

Dem Tiger in die Augen blicken: Auf der TIERART Wildtierstation in Maßweiler auf der Sickinger Höhe ist das möglich. (Foto: Blake Meyer, Unsplash)

Das Zweibrücker Hügelland

Die Sickinger Höhe geht im Süden fließend in das größte Teilgebiet des Zweibrücker Westrichs über – das Zweibrücker Hügelland. Die Täler dieser welligen Hügellandschaft sind flacher und breiter als die der Sickinger Höhe und werden überwiegend als Grünland genutzt. Besonders breit sind die Täler des Schwarzbachs und des Hornbachs. Letzterer ist namensgebend für die Klosterstadt Hornbach. Das im Jahr 742 vom Bischof Pirminius gegründete Kloster gilt als Wahrzeichen der Stadt und wurde mittlerweile als Hotel umgebaut. Zur Anlage gehört auch der 2.000 Quadratmeter große Klostergarten, der ganz nach seinem ursprünglichen Vorbild verschiedenste Kräuter, Nutz- und Heilpflanzen beherbergt. In Hornbach starten zudem grenzüberschreitende Wander- und Radwege, wie der Paradiesgartenweg, der Europäische Mühlenradweg und der Hornbach-Fleckenstein-Radweg. Ein vom Kloster gegründetes Hofgut befand sich westlich von Hornbach in der Gemeinde Dietrichingen. Herzog Karl August II. ließ die Anlage in Schloss „Monbijou“, was übersetzt „Mein Juwel“ bedeutet, umbenennen und errichtete eine prächtige Gartenanlage.

Nördlich von Hornbach führt uns unsere Reise in die Stadt der Rosen und Rosse: Zweibrücken. Bei einem Besuch der Stadt sollte insbesondere der drittgrößte Rosengarten Deutschlands nicht ausgelassen werden. Dieser ist über den Rosenweg mit dem Wildrosengarten bei der märchenhaften Parkanlage Fasanerie verbunden, die ebenfalls einen Besuch wert ist. Die barocke Schlossanlage des vertriebenen Polenkönigs Stanislaus Leszcynski erhielt den Namen „Tschifflik“, wurde zu großen Teilen originalgetreu rekonstruiert und beherbergt heute ein Landhotel. Wer eher auf reges Treiben hofft, den verschlägt es in die Zweibrücker Innenstadt. Mitten im Herzen der Stadt wartet das Herzogsschloss auf deine Ankunft.  Nicht minder herrschaftlich als das Schloss selbst, das mittlerweile das Pfälzische Oberlandesgericht beheimatet, erstrecken sich der angrenzende Schlossplatz und Schlossgarten. Gerne fotografiert wird auch der Herzogplatz in direkter Nähe des Barockschlosses.

Nicht weniger Betrieb als in der Innenstadt herrscht meist im Zweibrücken Fashion Outlet, dem größten Outlet-Center Deutschlands. Doch Zweibrücken hat noch weitaus mehr zu bieten, vor allem für Pferdesportbegeisterte. Bereits seit mehr als 250 Jahren werden im Landgestüt „Zweibrücker“ gezüchtet, die sich in ganz Deutschland als beliebte Sport- und Reitpferderasse etabliert haben. Traditionsreich ist auch das bereits seit über 200 Jahren jeweils im Juni stattfindende Pferderennen. Fans der Star-Wars-Reihe hingegen sollten unbedingt die Volkssternwarte im Design des Roboters R2-D2 besuchen. Wen es lieber in die Natur verschlägt, der sollte Ausschau nach den für diesen Teilraum typischen Mardellen halten. Damit werden wassergefüllte Geländemulden bezeichnet, bei denen sich der Boden durch die Auswaschung von Gips im Untergrund abgesenkt hat. Besonders viele Mardellen finden sich rund um die Gemeinden Höheischweiler und Kröppen.

Das Wahrzeichen der Stadt Hornbach: das Pirminius-Kloster. (Foto: Harald Kröher)

Der Rosengarten Zweibrücken lädt zu einem entspannten Spaziergang inmitten der königlichen Blumen ein. (Foto: Gürel Sahin)

Fasanerie und ehemaliges Lustschloss Tschifflick – wie aus dem Märchen. (Foto: Gürel Sahin)

Moosalbtalgebiet und Eppenbrunner Hügelland

Die letzte Etappe unserer Reise durch den Zweibrücker Westrich führt uns an den Ostrand der Hochfläche. Hier ist geologisch ein fließender Übergang des Muschelkalkplateaus in den Bundsandstein des Pfälzerwaldes zu beobachten. Im Norden durchfließen Moosalbe und Queidersbach das Gebiet zwischen Pfälzerwald und Sickinger Höhe. Letzterer ist in der Gemeinde Queidersbach sogar ein gesamtes Museum gewidmet. In einem alten Schulhaus können knapp 4.000 Exponate rund um das frühere Leben auf der Sickinger Höhe bestaunt werden. Eine lokale Besonderheit kann auch in der Nachbargemeinde Bann besucht werden. Hier wurde auf dem 473 Meter hohen Großen Hausberg das erste Gipfelkreuz mitsamt Gipfelbuch im Landkreis Kaiserslautern errichtet. Wer sich einen Überblick über die hügelige Landschaft der Westricher Hochfläche bis hin zum Landstuhler Bruch und dem Pfälzerwald verschaffen möchte, der sollte dieses Ausflugsziel nicht auslassen.

Weiter südlich schließt sich das Eppenbrunner Hügelland, eine schmale Randzone zwischen dem Zweibrücker Hügelland im Westen und dem Pfälzerwald im Osten an. Diese Teillandschaft ist durch die teilweise stark eingeschnittenen Täler mit Felsbildungen besonders bei Wandernden und Kletternden beliebt. Zu den markantesten Felsen gehört sicherlich der Altschlossfelsen, auch Eppenbrunner Schloss genannt. Entlang der 1,5 Kilometer langen Felsformation von bis zu 20 Metern Höhe können aufmerksame Beobachtende Spuren von vier mittelalterlichen Burgen entdecken. Am Altschlossfelsen vorbei führen der Altschlosspfad sowie der Grenzweg Eppenbrunn. Wer seine Wanderung nicht allein bestreiten möchte, der kann sich von tierischen Gefährten begleiten lassen. Bei einer Eselwanderung lässt sich nicht nur die eigene Führungskompetenz erproben, sondern auch das Wandern auf neue Art und Weise erleben.

 

Konnten wir dein Interesse wecken, diesen einzigartigen Landschaftsraum auf eigene Faust zu erkunden?

 

Eseldame Aneth ist bereit für die Wanderung. (Foto: Michael Hochreuter)

Ein wahres Naturspektakel: der Altschlossfelsen bei Eppenbrunn. (Fotos: Harald Kröher)

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